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TQW Magazin

Kiana Hashemizad über babes von gergő d. farkas

02.08.2025

©

© Gergely Ofner

Texte zu Rakete 2025 von Studierenden der Theater-, Film- und Medienwissenschaft

    Kosmische Körper

    Das Stück scheint bereits begonnen zu haben, bevor ich in den vernebelten, gelb ausgeleuchteten Raum eingetreten bin. Das Bühnenbild ist klein und bis auf eine Lautsprecherbox gänzlich leer. gergő d. farkas bewegt sich in Form von langsamem Kriechen auf allen Vieren und plötzlich fließt grüne Farbe aus deren Mund: Dey erbricht.

    So eröffnet farkas deren Performance babes, die eine Schnittstelle zwischen Realität und Fantasie schafft. Diese Darstellung von körperlicher Wahrnehmung, aufgeladen mit grellem Licht und Sci-Fi-ähnlicher Musik, scheint nicht von dieser Welt zu sein. Es stehen keine „schönen“, sondern rohe, sinnliche Bewegungen im Mittelpunkt. Licht, Musik und Tanz spielen hier zusammen, um eine kosmische Reise durch den Körper zu präsentieren – eine Reise, die von oben nach unten verläuft.

    Zunächst fängt farkas an, sich tanzend aufzurichten. Dey bewegt den Körper wellenartig. Die an Antennen erinnernden Arme strecken nach oben und suchen die Verbindung zu Höherem. Die Musik verleiht dem Tanz zusätzlich etwas Außerirdisches durch die lang gezogenen monotonen Töne und Frequenzen oder sanften Synthesizer, die eher körperlich spürbar sind, als eine Melodie zu bilden. Dey nimmt die gesamte Tanzfläche mit einmal großen, schnellen und einmal kleinen, langsamen Bewegungen ein. Vielmehr als eine tänzerische Interpretation der Musik, entsteht bei mir der Eindruck, dass die Musik den Tanz begleitet oder besser gesagt, farkas‘ Zustände beschreibt. Als die Musik durch den Einsatz von lauten Beats endgültig in den Vordergrund rückt, legt dey sich die Hand aufs Herz. Ich fühle wie die Schwingungen des Basses meinen Körper ergreifen und meinen Herzschlag im Brustkorb bemerkbar machen. Die Reise verläuft schließlich durch den Darmbereich, wenn dey sich auf den Bauch fasst und den Oberkörper wieder wellenartig bewegt. Dieser Part wird begleitet von grünem Licht, das für mich Übelkeit suggeriert und so auf den ursprünglichen Akt zurückdeutet. Die rhythmisch kühlen Geräusche lassen mich gleichzeitig an Industriearbeit denken. Erst jetzt fallen mir auch die weiten Jeans auf, die farkas trägt: Eine aus Denimfetzen zusammengeflickte Patchwork-Hose. Die einzelnen Stoffteile erinnern mich dabei an Organe, die gemeinsam einen Körper oder in dem Fall die Jeans bilden. Ein letztes Mal dröhnt lauter Bass. Die Reise nimmt ihr Ende, als farkas den von rotem Licht erfüllten Raum durch die Tür verlässt. Wir haben den Körper betreten und wieder verlassen. Bis zuletzt liegt das Erbrochene da und löst bei jedem Anblick erneut Ekel in mir aus.

    Einerseits nimmt farkas von außen betrachtet sein Inneres wahr, andererseits ist er die Verkörperung und Ausdruck seines Inneren. Somit macht mich die Performance auf etwas aufmerksam: Selbst, wenn man nicht bewusst darauf achtet, arbeitet der Körper alltäglich im Hintergrund. Dey lässt uns den Blick nach innen richten und gibt uns den eigenen Körper auf eine spirituelle Weise zu spüren. babes ist für mich ein Stück, das auf faszinierende Art die Arbeit der Organe beleuchtet, die nicht nur zum Überleben, sondern auch Erschaffen bestimmt sind – so wie etwa auch farkas diese Funktion tänzerisch darstellt.