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Salavisa European Dance Award 2026

11.02.2026

Die Finalist*innen stehen fest

    Auf Initiative der Calouste Gulbenkian Foundation in Lissabon vergeben neun europäische Kulturinstitutionen, darunter das Tanzquartier Wien sowie Dansehallerne (Dänemark), Fondazione Fabbrica Europa per le arti contemporanee ETS (Italien), Fundação Calouste Gulbenkian (Portugal), Joint Adventures (Deutschland), KVS (Belgien), Maison de la Danse/Biennale de la Danse (Frankreich), Mercat de les Flors (Spanien) und Sadler’s Wells (Vereinigtes Königreich), alle zwei Jahre den mit 150.000 Euro dotierten SEDA – Salavisa European Dance Award.

    Aus einer Liste von 27 Kandidat*innen hat der Nominierungsausschuss, der sich aus Vertreter*innen der einzelnen Partnerinstitutionen zusammensetzt, nun fünf Finalist*innen ausgewählt. Nominiert sind: Chiara Bersani (Italien), Dan Daw (Australien), Jefta van Dinther (Niederlande/Schweden), Lukas Avendaño (Mexiko) und Mamela Nyamza (Südafrika). Der*die Gewinner*in wird von einer dreiköpfigen internationalen Jury ausgewählt und am 17. November 2026 im Rahmen einer Preisverleihung in der Calouste Gulbenkian Stiftung in Lissabon bekanntgegeben.

    Die Finalist*innen:

    Chiara Bersani
    Performerin, Aktivistin und Choreografin. Bersani setzt sich für die Barrierefreiheit für Künstler*innen mit Behinderung in der darstellenden Kunst ein und beschäftigt sich mit der Politik des Körpers sowie mit der Frage, wie die von uns geschaffenen Bilder mit den Narrativen der Gesellschaft interagieren. Chiara Bersanis choreografische Praxis zeichnet sich durch radikale Präzision, konzeptionelle Tiefe und politische Dringlichkeit aus. Ihre Arbeit schlägt eine tiefgreifende Neuformulierung der Beziehung zwischen Körper, Zeit, Vision und Macht vor, hinterfragt die vorherrschende Ästhetik von Virtuosität, Geschwindigkeit und Produktivität und schlägt stattdessen eine Praxis vor, die in Dauer, Aufmerksamkeit und radikaler Präsenz verankert ist.

    Dan Daw
    Künstler und Produzent. Daw war zunächst Performer beim Restless Dance Theatre in Australien. Er ist der Gründer von Dan Daw Creative Projects, einem in Großbritannien ansässigen Unternehmen, das von Menschen mit Behinderung geleitet wird und eine Vorreiterrolle bei der Schaffung barrierefreier internationaler Tourneeprojekte einnimmt, die die Grenzen zwischen Theater, Tanz und Aktivismus verwischen. Dan Daw gilt als Künstler, dessen Beitrag zur zeitgenössischen Performance das Feld sowohl strukturell als auch ästhetisch verändert. Seine künstlerische Praxis ist untrennbar mit seinem Aktivismus verbunden: Beide setzen auf Zugang, Urheber*innenschaft, Komplexität und Würde.

    Jefta van Dinther
    Choreograf, Tänzer und Lehrer. Jefta van Dinther gilt als einer der visionärsten Choreograf*innen seiner Generation. Seine Arbeit befasst sich mit tiefgründigen und universellen Fragen – beispielsweise mit dem, was es bedeutet, Mensch zu sein in Bezug auf andere – und zeigt, wie Körper durch soziale, kulturelle und atmosphärische Kräfte geprägt werden. Er präsentiert den Menschen gleichzeitig als biologisches und relationales, physisches und psychologisches Wesen und hat eine choreografische Sprache entwickelt, in der der Körper niemals allein ist. Er bewegt sich in immersiven Konstellationen aus Licht, Klang, Objekten und Materialien, die die Wahrnehmung radikal verändern.

    Lukas Avendaño
    Performancekünstler, Choreograf, Anthropologe und Schriftsteller. Avendaños Arbeit verknüpft Tanz, Ritual, Ethnografie und Aktivismus. Sie entsteht in einem liminalen Raum, in dem Tanz zu einer Technologie der Erinnerung, des Überlebens und der kollektiven Vorstellungskraft wird. Dabei stützt er sich auf Muxeidad – das soziale und genderbezogene System der Zapoteken, das die koloniale Zweiteilung von Mann und Frau in Frage stellt und bereits vor der Ankunft der Europäer in Amerika existierte. Seine Arbeiten inszenieren kontroversielle Auseinandersetzungen rund um Sexualität, Indigenität und Macht und wurden vielfach in Mexiko und im Ausland präsentiert. Als Aktivist befasst er sich mit einer der drängendsten Krisen in Amerika: dem Verschwinden und der Ermordung von Menschen, darunter auch seines eigenen Bruders.

    Mamela Nyamza
    Tänzerin, Lehrerin, Choreografin und Aktivistin. Mit ihrer Praxis, die in Feminismus, dekolonialer Kritik, autobiografischer Forschung und einem unerschütterlichen Engagement für soziale Gerechtigkeit verwurzelt ist, gestaltet Mamela Nyamza die afrikanische und internationale Performance-Landschaft laufend neu und zeigt, wie Bewegung als Katalysator für kulturelle und institutionelle Veränderungen wirken kann. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Dekonstruktion des westlichen Tanzkanons. Dabei deckt Nyamza die in dessen Strukturen verankerten historischen Ausgrenzungen auf und fordert Raum für historisch marginalisierte schwarze, queere und weibliche Körper ein.

    Die Jury setzt sich aus Ilgaz Gurur Ertem (Soziologin, Tänzerin, Programmplanerin, Türkei), La Ribot (Choreografin, Tänzerin, Spanien) und River Lin (Künstler, Kurator, Taiwan) zusammen.

    Über SEDA
    Der Salavisa European Dance Award (SEDA) wurde 2023 von der Calouste Gulbenkian Foundation und anderen europäischen Kulturinstitutionen ins Leben gerufen, zu Ehren des Vermächtnisses des portugiesischen Tänzers, Lehrers und ehemaligen künstlerischen Leiters Jorge Salavisa (1939–2020). Ausgezeichnet werden Künstler*innen aus aller Welt, deren Talent oder einzigartige Qualitäten internationale Anerkennung verdienen.

    Dieser mit 150.000 Euro dotierte Tanzpreis wird alle zwei Jahre verliehen und fungiert als Impulsgeber für bereits etablierte Künstler*innen, die aufgrund ihres künstlerischen Ansatzes oder ihres sozialen/kulturellen Hintergrunds in Europa noch wenig bekannt sind.