„Ein Tanz voller Lebendigkeit, der das Leben feiert“ – meine ersten Assoziationen beim Nachdenken über das Stück.
„Who constructs death like this?!“ – Moor Mother
„The dark is a myth, there just isn’t light“ – Tanerelle
„Ich finde Trost in dem Wissen, dass Acarajé Akara ist“ – einer meiner Gedanken während des Artist Talks.
Ich habe Trost gefunden. Als ich zwischen institutionellen Mauern neben meinen Lieben gesessen bin, bin ich innerlich gereift und habe tiefen Trost in dem gefunden, was ich miterleben durfte.
Tief im Ozean, in einem der Menschheit unbekannten Meeresgebiet, herrscht Freiheit. Freiheit von Kriegsverbrechen, Freiheit von Fesseln, Freiheit von völkermörderischen Gräueltaten, Freiheit vor systematischer Ausgrenzung, Freiheit zu sein.
Dort gibt es lebensfreundliche Ökosysteme, denen nicht durch Fremdeinwirkung zugesetzt wird oder die Vernichtung droht. In diesem Gebiet lebende Arten haben die Freiheit, in den dunklen, sanften und sicheren Tiefen des Ozeans friedlich miteinander zu leben.
Aus diesen Tiefen tauchen Kreaturen auf, die die Seelen und Geister derer in sich tragen, die entführt und auf Schiffen über den Atlantik gebracht wurden, um als Besitztümer in einem enormen Menschenhandelsnetzwerk feilgeboten zu werden.
Sie sind ein Gemisch aus Sternenstaub. Sowohl Vorfahr*innen als auch in der Gegenwart lebende Menschen, die nachkommende Generationen in sich tragen.
Dann betritt sie den Raum. Sie ist ich und ich bin sie – in der Zukunft, wenn ich älter bin, ebenso wie wann immer ich im Jetzt weise und verantwortungsvoll bin. Aunty (Tante) Muse hat das alles schon erlebt, obwohl es auch gerade jetzt vor ihren Augen passiert. Die Zeit ist zyklisch. Da taucht eine Idee auf, die sich wie eine Erinnerung anfühlt: die dunklen, sanften und sicheren Tiefen des Ozeans, in denen totale Freiheit herrscht. Vielleicht eine Gebärmutter?
Die Tiefen des Fruchtwassers leuchten unter goldenen Lichtschleiern hervor. Glitzernde Zellen treiben durch die Atmosphäre, verschmelzen zu chemischen Verbindungen und wachsen sich aus, bevor sie in fünf Gestalten zerfallen, die in Einklang zu tanzen beginnen – ähnlich dem Flügelrauschen von Vogelschwärmen, die über den Himmel ziehen. Vögel lassen ihre Flügel vor dem Schlafengehen rauschen, um Raubtiere zu verwirren und zu verscheuchen. Sanft raschelnde Schwänze, Schreie, die sich zu einem tiefen, kontinuierlichen Klang vermischen, der sich um meine Ohren legt. Es ist wie ein Schlaflied, ein Aufruf zu himmlischer Ruhe und Erholung.
Was an der Oberfläche seicht erscheint, ist tief. Im Erdreich befinden sich Mineralien, Wasser, Luft und organische Substanzen. Im Erdreich sind Wurzeln, Blut und Samen vergraben. Ein Gemisch aus Sternenstaub kämpft im Stillen. Die Stille wird durch Bewegungen wahrnehmbar, die sich strecken, hochragen und in sich zusammenfallen, um sich danach wieder – der Schwerkraft zum Trotz – wie ein dunkelviolett-schwarzes Gelee zu erheben. Der Kampf wird allein ausgefochten, manchmal gegen sich selbst, manchmal nach außen gerichtet, bis er sich beruhigt und in dem ertrinkt, was darunter liegt. Er wird zu einem Keim. Nährstoffe tropfen in die Pfütze und sickern wie Adern ins Erdreich. Bald wird der Keim zu einem Spross, aus dem Pflanzen und Bäume wachsen und neue Generationen hervorbringen, die das Licht und die Dunkelheit der Welt erblicken werden.
Ich habe Trost gefunden. Ich habe Trost darin gefunden, das Gesehene als Ausdruck meiner Geschichte und der Geschichte der globalen Mehrheiten in Abya Yala, Alkebulan und Karib, den Arawak- und Taíno-Inseln zu verstehen. Ich habe einen Trost gefunden, der so alt ist, dass ich weiß, dass die, die vor mir waren, ihn gefühlt haben, und die, die nach mir kommen, ihn auch fühlen werden.
Enesi M. ist Sängerin, Autorin und aufstrebende Produzentin, die Heavy Metal- und Cold Wave-Sounds mit Hip-Hop, dekonstruierten Club-, Reggaeton- und Baile-Funk-Rhythmen mischt. Sie kombiniert harte, gutturale Vocals mit Raps und gesungenen Harmonien und verweigert eine Einordnung in ein bestimmtes Genre. Mit ihren Lyrics deckt sie das gesamte Spektrum an Emotionen ab.