loading

Alles zu Barrierefreiheit im TQW finden Sie hier.

Barrierefreiheit

Text anpassen

100%

Titel Hervorheben

Mehr Zeilenabstand

Mehr Zeichenabstand

Farben anpassen

Dunkler Kontrast

Heller Kontrast

Hoher Kontrast

Hohe Sättigung

Geringe Sättigung

Monochromatisch

Weitere Hilfen

Lesehilfe

Keine Animationen

Großer Cursor

TQW Magazin

Anastasia Reichenbach über Where the fuck am I? von Zoé Lakhnati und Per Anders Kraudy Solli

05.09.2025

©

© Serin Drejer

Texte zu Rakete 2025 von Studierenden der Theater-, Film- und Medienwissenschaft

    Buy my fucking Skincare-Routine!

    Ein lilafarbener Flauschteppich in der Mitte des Raums, gedämpftes Licht, ruhige Atmosphäre. Alles wirkt, als ob man Platz in seinem eigenen Wohnzimmer nimmt, aber dennoch ist es instagrammable. Per Anders Kraudy Solli lässt ein Wort ins Mikrofon gleiten: „Rawr!“ und das jüngere Publikum weiß sofort: Hier wird unsere Sprache gesprochen, da der Ausdruck aus Social Media bekannt ist. Es folgen Wortschnipsel aus bekannten Memes, Fragmente aus Popsongs und andere gehypte „Netz-Fetzen“ welche Kraudy Solli ins Mikrofon spricht oder singt, während Zoé Lakhnati langsam, Stück für Stück Distanz dazu einnimmt, bis sie träumerisch auf dem Boden liegt. Während man sich inmitten der Performance überlegt, wie man nach der Vorstellung den Ohrwurm von Purple Rain wieder loswird, fällt eines besonders auf: Das Publikum fühlt sich angesprochen, da es sich selbst in der Performance wiedererkennt – viele sitzen schließlich täglich im eigenen Wohnzimmer und hören ähnliche Netzphrasen durch ihre Displays dröhnen, bis sie paralysiert und eingeschlafen sind. Kurze Zeit später erwacht Lakhnati wieder. Kraudy Solli spricht weiter überspitzt und emotional aufgeladen berühmte Phrasen ins Mikro, während Lakhnati die gesprochenen Worte bildlich ausführt. Ob Kraudy Sollis Stimme vermeintlich ihre Gedanken wiedergibt, oder ob sie ferngesteuert zum Affen und zum Roboter gemacht wird, bleibt offen – und genau darin liegt der Reiz. Das Publikum darf für sich entscheiden, wo die Grenze zwischen innerem Monolog und der Steuerung von äußeren Reizen liegt. Dass diese Grenzziehung zwischen privatem und digitalem Raum nicht immer gelingt, beweist uns dann spätestens die Bildschirmzeit auf unseren Smartphones, oder aber das in der Performance dargestellte, offensichtliche kollektive Gedächtnis in dem sich alle Bruchstücke der Internetwelt abgespeichert haben. Dass dieser Konflikt oft im Chaos enden kann, zeigt Lakhnati, ob nun ferngesteuert oder im eigenen Gedankenzirkus versunken, wenn sie versucht, alle Bewegungen gleichzeitig und immer schneller werdend auszuführen. Sie endet auf dem Boden liegend und das Licht geht kurzzeitig aus. Ein Lebensgefühl, welches nicht nur die Gen Z betrifft, sondern alle Generationen im Jahr 2025 gleichermaßen: Reizüberflutung, Suche nach Anerkennung, Selbstoptimierung, Zersplitterung – verpackt in Entertainment. Where the fuck am I? spiegelt das kollektive Empfinden der Menschen im digitalen Zeitalter, in dem der Einfluss des Digitalen auf die Realität spürbar wird: befremdlich wie ein Roboter und verwirrend wie ein Affe, der seine Skincare-Routine auf TikTok teilt. Eine Antwort der Gen Z auf die Fragen, die das Stück aufwirft, könnte lauten: absoluter fever dream!