22. 01. 2010

In Kooperation mit Tanzquartier Wien

FIELDWORK wird 2010 fortgesetzt.

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07. 01. 2010

WO IST WIR?

Im Sommer 2009 starb mit Pina Bausch nicht nur eine der weltweit einflussreichsten Choreografinnen, sondern auch eine Künstlerin, die mit ihren Stücken immer wieder neue Orte des 'wir' entworfen und verhandelt hat. Diese, ihre, möglichen gemeinsamen Orte sind dabei keine Metaphern, sie interessieren sich nicht für Gruppenbildung und Anpassung, sind keine Erfüllungsgehilfen des Sozialen. Sie sind nicht pädagogisch, folgen keinem kausalen Plan, sind weder vorhersagbar noch überprüfbar, sie sind dem Einzelnen – Zuschauern, Künstlern, Menschen – überlassen. Das Verbindende ihres Tanzes, ihres Theaters, liegt nicht in ausgestellten oder eingeforderten Bestätigungen von Zusammengehörigkeit und Identifikation. Vielmehr fällt ihre Kunst im Moment der Begegnung mit ihr und mit uns ein, entfaltet sich in den Zwischenräumen der Differenz, im Anderssein von Körpern und Gefühlen, von Erlebtem, von Alter und Kulturen, ohne sich dabei damit zu begnügen, das Eigene im Fremden zu bestätigen. Sie schafft damit einen Resonanzboden für ein Denken über Identität und Zugehörigkeit, über Individualität und Gemeinschaft. Übertragen auf den Körper, macht dieses Denken die Sozialität des Lebens auch für die Kunst, den Tanz zum Thema, und stellt die Frage nach der Möglichkeit, 'wir' sagen zu können. Und ermöglicht es uns vielleicht gerade deshalb im Ereignis ihres Welttheaters zu sein – trotz und in Gemeinschaft, mit und jenseits aller Andersheit.

(Autorin: Sandra Noeth/Leitung Dramaturgie TQW; Text abgedruckt in TQW Programmheft Jan./Feb. 10)


ARCHIV:
Die Haut der Bewegung / TQW Programmheft Dez. 09
Körper in Abstand und Ansteckung / TQW Programmheft Nov. 09
Spuren-Lesen / TQW Programmheft Sept./Okt. 09