Programm für Fr 14. Nov. 2014:
GESA ZIEMER (DE) / MARIELLA GREIL (AT)

Vorträge: Künstlerische Forschung: Wozu? / ...denn das Denken der Hand / lungert herum

GESA ZIEMER
Künstlerische Forschung: Wozu? Über ihr Verhältnis zu anderen Disziplinen und gesellschaftlichen Entwicklungen

In den Debatten um künstlerische Forschung wird immer wieder behauptet, das diese offen, tastend, fragend, mäandert, stark prozess- und weniger resultatorientiert sei – um nur einige Schlagworte zu nennen. Es ist meine Beobachtung, dass sich diese Forschungsrichtung durch solche „Rhetorik der Fragilität“ immer stärker ins Abseits manövriert. Wichtiger wäre es aus meiner Sicht endlich festzuhalten, was künstlerische Forschung im Spiegel anderer Disziplinen und grundsätzlicher gesellschaftlicher Entwicklungen wirklich leisten kann. Sonst wird sie zu irrelevanter, selbstbezogener Forschung, die im Chor der Disziplinen nie ein Gewicht erhalten wird. Wer braucht also künstlerische Forschung? Wo kann sie in interdisziplinärer Perspektive neue Erkenntnisse oder Ansichten schaffen? Der Vortrag stellt Erfahrungen des künstlerisch-wissenschaftlichen Graduiertenkollegs „Versammlung und Teilhabe“ vor und stellt diese in den Kontext allgemeiner gesellschaftlicher und forschungspolitischer Entwicklungen.

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MARIELLA GREIL
...denn das Denken der Hand / lungert herum...

Die künstlerische Forschung generiert ein Wissen, das herumlungert, (noch) nichts „Produktives“ zu tun weiß und sich bislang irgendwo untätig aufhält, oder sich in anderen Wegen des Verstehens versucht. Die Behauptung der epistemologischen Bedeutung von gewohnt ungeteilten künstlerischen Arbeitsprozessen fordert zur Befragung und Entfaltung von Entscheidungsmomenten auf - in und durch die Praxis. Diese dynamischen Bewegungen der Sinnfindung, dieses Denken im Tun als konkretes choreografisches Forschen passiert im permanenten Entwerfen von Denkfiguren. Das aktuelle künstlerische Forschungsprojekt „Choreographic Figures. Deviations from the Line“ hat sich dem Experiment mit Aufzeichnungsmodalitäten verschrieben. Das Choreografische wird untersucht in seiner Artikulation, Bedeutung, Resonanz. Eine Untersuchung, die dem Gewicht von Zusammenhängen - besonders der Spannung von choreografischer Setzung und Figur - als einer generativen Kraft im Wissen-Schaffen nachgeht.
 

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Gesa Ziemer ist Professorin für Kulturtheorie und kulturelle Praxis (Studienbereich Kultur der Metropole) und Vizepräsidentin für Forschung an der HafenCity Universität Hamburg. Sprecherin des künstlerisch-wissenschaftlichen Graduiertenkollegs Versammlung und Teilhabe. Urbane Öffentlichkeiten und performative Praxis. Regelmäßige Gastlehre: Zürcher Hochschule der Künste in den Bereichen Kulturanalysen und Vermittlung; Universität Bern im Bereich TanzKultur; Mitglied in den Beiräten Böll-Stiftung umdenken, Hochschule für Kunst und Design Luzern, Urbane Künste Ruhr, Deserteurdenkmal Kulturbehörde FH Hamburg und im Kuratorium Choereografisches Zentrum PACT Zollverein Essen.

Mariella Greil ist Performerin, Choreografin und Forscherin, lebt in Wien. 2014-16 ist sie Keyresearcher im Forschungsprojekt CHOREO–GRAPHIC FIGURES. Deviations from the Line. Davor war sie Associate Researcher im künstlerischen Forschungsprojekt performance matters (2009-2013) und leitende Redakteurin für das e-journal activate. Lehrtätigkeit an Universitäten in UK, USA, Mexiko und Österreich; derzeit PhD Stipendiatin an der University Roehampton in London im Bereich Tanz/Performance Studies. In den Jahren 2006 und 2007 erhielt sie das DanceWEB Stipendium; 2008 und 2010 das Auslandsstipendium für Tanz des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Sie ist aktiv in der Künstlerinitiative Sweet and Tender Collaborations und aktuell in Zusammenarbeiten mit Lisa Hinterreithner, Werner Moebius, Doris Stelzer, Martina Ruhsam, Emily Sweeney, Emma Cocker und Nikolaus Gansterer. www.mariellagreil.net

(c) Mariella Greil

Eintritt frei
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Im Rahmen von
ZUNGEN KÜNSTLERISCHER FORSCHUNG
Doppelredereihe mit KünstlerInnen und TheoretikerInnen
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