Programm für Sa 1. April 2017:
DAS SCHAUFENSTER (AT)

text | zeichen | setzen
eine Forschungsreihe

 
text|zeichen|setzen ist ein Forschungsprojekt des freien Theaters das Schaufenster, in dem mit drei unterschiedlichen performativen Instrumenten – dem Text, dem Zeichen und dem Setting – das Prinzip der Kompliz_innenschaft untersucht wird. Ausgangspunkt ist die Frage, inwieweit es als Gesellschaftsmodell gedacht werden kann. Die Kompliz_innenschaft ist ein Begriff, der im Strafrecht durch eine gemeinsame Entschlussfassung, Planung und Durchführung einer Tat definiert ist. Sie beschreibt eine temporäre, zielgerichtete und selbstbestimmte Arbeitsweise als fluide Formation wechselnder Akteure. Die Praxis, wie wir in der freien Theaterszene arbeiten, ist genauso zu verstehen. Was zeichnet diese Methode aus? Was sind ihre Vorzüge? Und wie kann sie als Modell von Koexistenz begriffen werden?
 
Im Rahmen eines Open Moment werden Hannes Wurm und seine Kompliz_innen .aufzeichnensysteme (text), Jack Hauser (zeichen), Stephanie Rauch (setzen) und Chris Standfest ihre vorläufigen Forschungsergebnisse mit dem interessierten Publikum teilen.
 
 
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KONZEPT + REALISATION:  Hannes Wurm
IN KOMPLIZ_INNENSCHAFT MIT:
text .aufzeichnensysteme | zeichen Jack Hauser | setzen Stephanie Rauch
DISKURSIVER SUPPORT: Chris Standfest
PRODUKTION: das Schaufenster
MIT UNTERSTÜTZUNG VON: Wien Kultur

das Schaufenster 2003 als freies Theater gegründet, hat seinen Ursprung im Schauspielhaus Schaufenster, das in der Saison 2000/2001 unter der künstlerischen Leitung von Hannes Wurm zweite Spielstätte des Schauspielhaus Wien war. In den Performanceprojekten des Schaufenster wird die Ästhetik an den Grenzen von Lebenswelt und Kunstwelt (Arthur C. Danto) untersucht und angewandt. Darüber hinaus werden wissenschaftlichen Projekte in den Bereichen Philosophie und Theaterwissenschaft realisiert sowie Produktionen freier Wiener Künstlerinnen im Bereich Tanz und Performance betreut.

Das Schaufenster ist ein Raum der Kunstwelt, der durch eine transparente Grenze zum Geschehen außerhalb, der Lebenswelt, definiert ist. Durch diese Grenze, die sowohl visuell als auch akustisch durchlässig ist, entsteht ein Raum, in dem sich Kunst und Alltag einander beeinflussen und bedingen. „Wo ein Fenster ist, da sickert zwangsläufig die Welt herein und die Kunst hinaus“, (Arthur C. Danto). Das Schaufenster wird in diesem Kontext als eine Möglichkeit gesehen, Wirklichkeit, also das Verhältnis zwischen dem Dasein des Einzelnen und seiner Welt, ästhetisch zu erfahren und zu erkennen. Der Realität, als modellhaftes Konstrukt von Wirklichkeit, wird im Schaufenster die Ästhetik als Rahmung von Wirklichkeit gegenübergestellt. Ästhetik wird in diesem Verhältnis als ein „ästhetisches Denken zum Begreifen unserer Wirklichkeit“ (Wolfgang Welsch) verstanden. Die Projekte im Schaufenster werden als ein gemeinsamer Schaffensprozess derteilhabenden Künstlerinnen verstanden.
 
.aufzeichnensysteme | text Text/-Performance, Radiokunst, experimentelle Zeichen- und Sprachprojekte, Publikationen an der Schnittstelle von Literatur / Performance / Bildende Kunst / Projektionskunst; lebt / arbeitet in Wien seit 2000. www.elffriede.net | Einzelpublikation: schrei zum hummel. eine art buch, Klever Verlag, Wien 2013, seismograph. ein aufzeichnen-system, edition ch / Wien 2007, leere in hülle +/- fülle (artwork), Flugschrift. Literatur als Kunstform u. Theorie 7, Wien 2014; | Stipendien: Wiener Literaturstipendium der Stadt Wien 2016, Staatsstipendium Literatur / BMUKK 2013 für schrei zum hummel. eine art buch., Klever Verlag Wien, Radiopreis Klangturm St. Pölten für notebook of e.h. 2006 + Mira-Lobe-Stipendium 2003 mit Jörg Piringer | Stipendien u. Werkankäufe seit 2002: BMUKK, Landesmuseum / St. Pölten, Die Kunstsammlung, Sammlung Nordico / Linz, Ursula-Blickle-Filmarchiv, Sammlung für Kunstbuch / 21 Haus, Sezession, Ortner2 (Künstlerbücher und Vorzugsausgaben), Arbeiterkammer, MAK Wien, Stadt Wien | Radiokunst / Ö1: arm aber anständig mit Sabine Maier (2010, 15, 17), stimmenrekorder mit fishy c/o dasschaufenster.at (2013), schrei zum hummel für Literatur als Radiokunst (2010) | Textperformances / Lesungen: Sezession Wien, H.C. Artmann-Festival, Literaturhaus (Berlin), esc Medienkunstlabor (Graz), Elevate-Festival, Forum Stadtpark (Graz), maerz-Galerie (Linz), Alte Schmiede (Wien), Literaturhaus (Wien), hörbar / Hamburg | freie Radios: Wien, Graz, Dresden, Weimar, Riga | Performance / Installation: Sezession / artists and poets / Wien 2015, Minoriten / Graz 2014, Medienwerkststatt / Wien, 2013 Kunsthalle Exnergasse / Wien, esc medien kunst labor / Graz, Landesmuseum / St. Pölten, 2012 Kunstraum Niederösterreich (KNÖ), Ortner 2 / Wien, Ooekv im OK / Linz, 2007 – 11, Glaskubus Valie Export (Wien), Literaturhaus (Wien), MAK (Wien), Kunstmesse / Landesmuseum Linz | Performance-Festival (interdisziplinär): Elevate, Graz 2009, Hurta Cordel, Madrid / Spanien 2008 Noass, Riga / Lettland, Wien Modern 2006, Diagonale, Graz 2003;
 
Jack Hauser | zeichen 1958 in Horn/NÖ geboren. Er studierte, nach seiner Arbeit als Chemiker, von 1983-86 elektroakustische Musik in Wien. 1994 Gründung mit Inge Kaindlstorfer & David Ender der Performancebande Lux Flux. 2003 beginnt die Zusammenarbeit mit Milli Bitterli. 2014/15 entwickelt er gemeinsam mit Lisa Hinterreithner die Performancereihe The Call of Things. Seit 2005 zahlreiche gemeinsame Werke mit Sabina Holzer. Weiters gestaltet er performative Interventionen und Arbeiten mit diversen Medien, die seit 1999 als Wohnung Miryam van Doren betrieben und betreut werden. Starkes Interesse an kollektiv/kooperativen Arbeiten.
 
Stephanie Rauch | setzen absolvierte ein Studium der Bühnen- und Filmgestaltung an der
Universität für Angewandte Kunst Wien und an der Wimbledon School of Arts London. Sie entwirft
ihre Arbeiten im Kontext der Bildenden Kunst sowie für szenografische Settings und macht sich
diese Schnittstelle zum Thema. Stephanie Rauch entwickelt neben den eigenständigen
künstlerischen Arbeiten Räume u.a. für Produktionen der ChoreografInnen und RegisseurInnen
Claudia Bosse, Ute Monika Engelhardt, Philipp Gehmacher, Lisa Hinterreithner, Ian Kaler und
Corinna Tetzel. Auswahl Ihrer Arbeiten: Raum, für my shapses, your words, their grey von Philipp
Gehmacher, Tanzquartier Wien, 2013. Rauminstallation Gelände, Galerie am Schillerplatz in
Koproduktion mit dem Tanzquartier Wien, 2014. Bühnenbild für An unserem Fluss von Lior Navok,
Oper Frankfurt, 2015. Raum für o.T I (the emotionality oft he jaw) , o.T I (gateways to movement)
und o.T I (incipient futures) von Ian Kaler, Tanzquartier Wien, HAU Berlin, 2015/2016. Ausstellung
Handlungsanweisungen zum ersten Kapitel mit Elena Peytchinska, im_flieger, 2015.
Rauminstallation für Letting go of things von Lisa Hinterreithner, Pneu Festiva, Szene Salzburg, 2016.
Bühnenbild für Das schlaue Füchslein von Leoš Janáček an der Oper Frankfurt, 2016.
 
Hannes Wurm | Konzept und Realisation 1972 in Wien geboren, lebt und arbeitet ebenda. Er entwickelt Performanceprojekte, wirkt FALL/weise als Performancekünstler und entwirft Bühnensowie Lichträume innerhalb der freien Theaterszene. Künstlerische Kooperationen mit .aufzeichnensysteme, Sebastian Bauer, Christoph Coburger, Brendan Dougherty, Andreas Hamza, Jack Hauser, Paul Horn, Boris Kopeinig, Barbara Kraus, Fritz Ostermayer, Stephanie Rauch, Sir Tralala, Barbara Spitz, Peter Stamer, Chris Standfest, Oliver Stotz, Akemi Takeya, Yosi Wanunu, Toni Wiesinger u.v.a.. In der Saison 2000/2001 künstlerische Leitung des Schauspielhaus Schaufenster und 2003 Gründung des Schaufenster als freies Theater. Projekte im Schaufenster u.a. touching… (2006-2007), it's time (2011), the very last (2012), far away, so close (2013), if (2015) und all|ein (ab 2015).
 
 
Eintritt frei