Werkstück 2015: Reality Check / Ausschreibung endet am 27. OKT

Werkstück 2015: Reality Check
Projekt zur Entwicklung und Präsentation junger choreografischer Arbeiten am Tanzquartier Wien

Die Ausschreibung für die neue Ausgabe des Nachwuchs-ChoreografInnen-Projekts Werkstück hat begonnen. Diese Saison begleitet der in Wien lebende Regisseur Yosi Wanunu den Entstehungsprozess bis hin zu den Aufführungen im Juni 2015.

Werkstück möchte den individuellen Entwicklungsprozess der  KünstlerInnen fördern und damit zugleich eine Plattform für neue experimentelle choreografische Arbeiten am Tanzquartier Wien bieten. Heuer wollen wir unter dem Titel Reality Check einen klaren Fokus geben und stellen dafür folgende Fragen in den Raum: Wie können Fragen, die uns im alltäglichen Leben intensiv beschäftigen, in künstlerische Arbeiten übersetzt werden? Welche Mittel werden gewählt um konkrete (schwierige, unbequeme, unverarbeitete, soziale, unmittelbare…) individuelle oder geteilte Realitäten, ins Performative zu übersetzten? Die Themen können einen weiten Bogen umspannen und sollen in Kontext mit dem Politischen/Öffentlichen gesetzt werden. Zentrale Fragen nach den künstlerischen Mitteln werden aufgegriffen, wie z.B. welche Art von DarstellerInnen, Raum, Bewegungs- oder Sprachmaterial benötigt meine Idee, welche Referenzsysteme oder ethischen Prinzipien befrage ich und sind erforderlich für die Umsetzung? Der Coach schaltet sich durch wirkungsvolle Fragen aktiv in den künstlerischen Prozess ein, ohne dabei künstlerische Vorgaben zu machen.

Yosi Wanunu, seit 1997 Regisseur der Kompanie toxic dreams, begibt sich in seinen performativen Arbeiten in immer neuen Konstellationen und (kollektiven) Versuchsanordnungen an die Grenzen des Darstellbaren v.a. wenn es um die Analyse und Abbildung sozial-politischer Realitäten und deren Wirkungsweisen auf Gemeinschaft(en) geht. Dabei spielen persönlicher Affekt sowie der Dialog mit einem zeitgenössischen Diskurs um politische Ästhetik eine gleichermaßen wichtige Rolle.

"Wo beginnt Politik? Wie wird man politisch? Wo beginnen Dinge, politisch zu werden? Carl Schmitt hatte eine klare Antwort auf diese Fragen. Seiner Ansicht nach beginnt Politik dort, wo man anfängt, zwischen Freunden und Feinden zu unterscheiden. Diese Unterscheidung zu treffen, ist ein machtvoller symbolischer Akt. Dieser Akt besteht darin, Freunde zu benennen und Feinde als solche zu identifizieren. Dieser Akt ist ein Einschnitt im Gefüge des sozialen Lebens. Das Politische spaltet die Gesellschaft und konstituiert sich aus dieser Spaltung. Das Politische wird durch einen Schnitt eingeführt. Diesen Schnitt muss jemand ausführen, ein Darsteller, der die Macht hat, auf das Publikum einzuwirken und es glauben zu lassen, dass jene, die er als Freunde und Feinde bezeichnet, auch wirklich das sind, was er behauptet. Die Politik entsteht daher in einem Augenblick, der ebenso mythisch wie theatralisch ist. Es bedarf einer Bühne, um das gesellschaftliche Leben zu politisieren." Yosi Wanunu

Eckdaten zum Auswahlverfahren:
27. OKT -> Deadline für die Konzepteinreichungen [per email an: training [at] tqw [dot] at]
10. NOV -> Call Back: Rückmeldung und Einladung der zur Präsentation ausgewählten KünstlerInnen
22. NOV -> Auswahltag mit einer persönlichen performativen Präsentation und Gespräch

Arbeitszeitraum
JAN – JUNI 2015 -> Proben, Gruppen- und Einzelcoachings
JUNI 2015 -> Präsentation

Hintergrundinformationen:

Werkstück ist ein Format, das entwickelt wurde um angehende ChoreografInnen bei der Entstehung von Kurzstücken zu unterstützen. Maximal drei TeilnehmerInnen werden ausgewählt, ihre Arbeiten im Juni 2015 in den Studios des Tanzquartier Wien zu präsentieren.

Das Projekt wird durch einen erfahrenen Coach begleitet - dieses Jahr ist es Yosi Wanunu – der die KünstlerInnen vom Auswahlprozess über Einzel- und Gruppencoachings bis hin zu den Endproben und Vorstellungen begleitet. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die teilnehmenden KünstlerInnen von Jänner bis Juni 2015 in Wien vor Ort sind, um sich aktiv in den Prozess mit einbringen zu können.

Ebenfalls unterstützt das Tanzquartier Wien die TeilnehmerInnen durch die Nutzung von Proberaum in den eigenen Studios, eine Produktionsgage und technischen Support.  

Das Projekt wendet sich an ChoreografInnen (max. Alter ca. 35 Jahre), die bislang noch wenige eigene choreografische Arbeiten produziert haben. Die Konzepte sollten eigens für Werkstück entwickelt werden. Da es ein geteilter Abend ist, sollten die technischen Anforderungen der Kurzstücke dem Rahmen entsprechend realistisch angelegt sein.

Der Entstehungsprozess der Stücke ist wesentlicher Bestandteil von Werkstück. Auch wenn das Projekt durch einen Coach und das Team des Tanzquartier Wien (Dramaturgie, Training & Workshop, Produktion und Theorie)  begleitet wird, ist es zentral, dass sich die TeilnehmerInnen auch selbst in den Kommunikationsprozess einbringen. Erwartet wird Offenheit zu konstruktiver Kritik und Austausch; die Anwesenheit bei den drei Gruppen-Coachings ist verpflichtend.

Interessierte werden gebeten ihre Ideen in Form eines schriftlichen Konzepts einzureichen. In dem max. zwei A4-Seiten langen Konzept sollte eine präzise künstlerische Intention herausgearbeitet sein. Es sollte ebenfalls Informationen zum Hintergrund und zur Arbeitsweise und Umsetzung sowie eine künstlerische Biografie beinhalten. Nach einer ersten Vorauswahl findet eine performative Präsentation mit Gespräch statt. Wir bitten für diese ca. 10-minütigen Präsentationen kurze Skizzen der Vorhaben vorzubereiten.

Kontakt und weitere Informationen:

Tanzquartier Wien, Training und Workshop
Katrin Roschangar, email: training [at] tqw [dot] at, Tel.: 01-581 35 91-50