SCORES N°4: Unter Protest

Künstlerisch-theoretischer Parcours zur Handlungsfähigkeit des Körpers.
MI 7. DEZ. – SO 11. DEZ. 2011 im Tanzquartier Wien

Mag sein, dass die Revolution keinen Kopf hat, aber sie hat sicher viele Körper, schreibt Alexandra Lucas Coelho im Zusammenhang mit den Ereignissen im Frühjahr 2011 in Kairo.
In Resonanz auf die aktuelle Situation im arabischen Raum, aber auch im Kontext anderer gesellschaftspolitischer und religiöser Bewegungen des Widerstands, der Verhandlung und des Aufruhrs beschäftigt sich SCORES N°4: Under Protest mit der Handlungsfähigkeit des Körpers. Was bringt uns dazu, zu agieren, zu intervenieren, zu tun? Und welche Rolle wird der Bewegung und dem physischen wie medialisierten Körper in diesen Prozessen zuteil? 

Damit ist nicht nur das Verhältnis von Reaktion und Aktion, von Intentionalität und Affekt adressiert, sondern Choreografie wird in mehrfacher Hinsicht als Denken und Praxis der Intervention und der Teilhabe deutlich – als ein Mittel, Gesellschaft und Leben zu durchdringen. Dabei ist der Körper nicht nur Repräsentant von identitären, kulturellen, sozialen und politischen Ein- und Zuschreibungen, von Ein- und Ausgrenzungen, von Erfahrungen und Lebenszeiten, die aufeinandertreffen. Wenn wir uns – einzeln oder gemeinsam – im Akt des Choreografierens einen Standpunkt wählen, diesen in seiner Positionierung zum Anderen markieren, Territorien sprengen und affirmieren und die Voraussetzungen der eigenen Positionierung zu verstehen suchen, sicht- und spürbar werden lassen, kommen nicht nur unsere Körper in Bewegung. Vielmehr geraten mit dem Verhältnis von Grund und Form im Prozess der Verkörperlichung auch festgesetzte Konzepte, Stereotypen und Symbolismen von Fremdheit, von Ethnizität, Religion und Nation ins Wanken.

Die eingeladenen KünstlerInnen und TheoretikerInnen beschäftigen sich in unterschiedlichsten Formaten mit der körperlichen Dimension des Handelns und den Bewegungen der Gegenläufigkeit, die der Körper in Interaktion produziert und provoziert. Mehr als nur Reaktion auf oder Ausdruck von etwas anderem, formuliert der Körper als Akteur und Auslöser einen Widerstand. Ein Momentum, eine Art Widerhaken, mit dem Choreografie das Performative in den Alltag hinein verlängert, um den Alltag performativ zu überprüfen, ein Momentum, das Augenblicke des Innehaltens, der Reorientierung und der Neudefinition in das als fortschreitend Definierte einführt: (Frei-)Räume für das, was wir (noch nicht) unternommen haben; (Frei-)Räume, die eben die vermeintliche Kopflosigkeit des protestierenden und sich widersetzenden Körpers zum Ausgangspunkt seines Handelns machen.

Mit u.a.: MOHAMED BOUROUISSA (DZ/F), RACHID BOUTAYEB (MA/D), TONY CHAKAR (LB), LAURENT CHÉTOUANE (F/D), IVAYLO DITCHEV (BG), TANIA EL KHOURY (LB/GB), WILLIAM FORSYTHE (USA/D), JOZEF FRUCEK (SK), FRÉDÉRIC GIES (F/D), DANIEL JENATSCH (A/D), SABINA HOLZER (A), ELKE KRASNY (A), RAÚL MAIA (P/A) / THOMAS STEYAERT (BE), NAT MULLER (NL), JAFAR PANAHI (IR), MANUEL PELMUS (RO), WILL RAWLS (USA), HOOMAN SHARIFI (N/IRN), ULA SICKLE (CAN/BE), YOSI WANUNU (A), GILLES YOVAN (F)
 

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